Juni 24

Modern Romance (Rita Rocks / Melissa & Joey)

In letzter Zeit war ich mal risikofreudig und habe zwei Serien angeguckt, die ich noch nicht kannte und die ich normalerweise auch nicht unbedingt geguckt hätte. Es sind keine ganz neuen Serien, aber doch ungefähr aus den letzten 5 Jahren.

Rita Rocks

Über die Serie „Rita Rocks“ (lief 2008-2009) hatte ich zuvor gelesen, dass es um eine Frau gehe, die von ihrem Mann und ihren Kindern genervt ist und entscheidet, ihre alte Gitarre rauszukramen, um mit ihrem Nachbarn Owen (Ian Gomez) und der Postbotin Patty (Tisha Campbell-Martin) eine Garagenband zu gründen. Klang also erstmal sehr spannend!

Rita (Nicole Sullivan) wird dabei gezeigt, wie sie den gesamten Haushalt schmeißt, ihre Familie versorgt und ganz nebenbei noch arbeiten geht. Ihr Mann Jay (Richard Ruccolo) bildet sich ein, genau so viel im Haushalt zu erledigen, was allerdings so gar nicht der Fall ist (das wird noch mal in Folge 5 ausführlich diskutiert, zeigt sich aber auch schon von Anfang an). Dafür beschützt er ständig die 16jährige Tochter vor ihrem Boyfriend. Das ist sicherlich auch ziemlich paternalistisch, äh, ich meine zeitaufwändig. In einer Szene am Anfang erzählt Rita Jay begeistert davon, dass sie mal in einer Bangles-Coverband gespielt und gesungen habe und dass sie die Musik und den Spaß dabei vermisse. Daraufhin lacht er sie aus und betont, dass doch wohl Otis Redding der größte Gott der Musikwelt sei.

rita rocks

© Lifetime

Direkt in der ersten Folge will Rita ihre Band gleich wieder hinschmeißen, weil Jay es nicht schafft, für 2 Stunden mal „ihre“ Repro-Arbeiten zu übernehmen. Die weiteren Folgen schockieren mit ähnlichen Dramen, die im Prinzip alle darin wurzeln, dass Jay Ritas Wunsch nach der wöchentlichen Bandprobe nicht ernst nimmt und sich ständig in eine absurde Opferrolle flüchtet, woraufhin sich Rita bei ihm entschuldigt und er sich bei ihr. Beim nächsten Mal geht dann alles wieder von vorn los.

Ritas Bandkollegin Patty ist auch nicht hilfreich, da sie Rita immer wieder ermahnt, auch mal Jays Perspektive zu verstehen und ihr zu verstehen gibt, dass sie froh sein soll, überhaupt einen Mann zu haben, dem sie nicht egal sei. Eifersucht und andere Psychodramen versteht Patty als Aufmerksamkeit und Liebesbeweis. Die erste Folge endet damit, dass Rita mit ihrer Band ein Lied von Otis Redding spielt und sie beim Singen traurig und sehnsuchtsvoll in Richtung Haus und Familie schaut. Das versöhnt dann auch ihren Ehemann, der verspricht, die Zeit für Ritas Bandprobe freizuschaufeln. Aber er betont im nächsten Satz gleich, dass es sich hoffentlich wirklich nur um ein paar Stunden handle. Aus sicherlich nachvollziehbaren Gründen musste ich nach der 5. Folge dringend aufhören, weiter zugucken. Es gibt aber auch ohnehin nur 2 Staffeln.

Melissa & Joey

Das schockierendste an „Melissa & Joey“ ist vermutlich, dass die Serie bereits seit 2010 läuft und immer noch nicht abgesetzt wurde. Melissa (Melissa Joan Hart – die damals „Sabrina, The Teenage Witch“ gespielt hat) und Joey (Joseph Lawrence – der damals den einen Bruder bei „Blossom“ gespielt hat) sind in den Hauptrollen. Melissa, bzw. Mel ist eine erfolgreiche und wohlhabende Lokalpolitikerin, die plötzlich die Teenage-Kinder ihrer Schwester aufnimmt, Lennox (Taylor Spreitler) und Ryder (Nick Robinson). Abgesehen davon ist die Serie im Prinzip ausgebaut wie „Who’s the Boss?“ mit Tony Danza, Judith Light und Alyssa Milano, die 1984 gestartet ist und acht Jahre lang lief. Lustigerweise hatte sogar Katherine Helmond einen kleinen Gastauftritt, die bei „Who’s the Boss?“ Angelas Mutter Mona gespielt hat.

melissa & joey

© ABC Family

Joey ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der plötzlich all seinen Besitz verliert und auf Umwegen bei Mel einzieht, um dort als Nanny, also Kinderbetreuung, zu arbeiten. Mel hat für Kochen, Putzen, Aufräumen und Kinder versorgen weder Zeit noch Lust und geht ganz in ihrem Beruf auf. Einen großen Unterschied gibt es aber doch zum damaligen „Who’s the Boss?“: Tony war sein Beruf nie peinlich. Joey hingegen wird immer ganz kleinlaut, wenn er zugeben muss, dass er als „Nanny“ arbeitet und betont als running gag, dass Mel nicht wirklich seine Chefin sei, da er freiberuflich arbeite. Entsprechend wichtig ist ihm auch, dass er seine Männlichkeit beweisen kann, leidenschaftlich Gewichte stemmt und einen Porsche fährt. Und wie zu erwarten schwebt die ganze Zeit in der Luft, ob Mel und Joey wohl mal eine romantische Beziehung beginnen. Ich hab nur die 1. Staffel gesehen, vermutlich hat sich das inzwischen auch schon ergeben.

Außerdem…

habe ich die erste Folge von „Switched at Birth“ (2011-heute) angesehen, musste aber nach der Hälfte abbrechen, weil ich mich so über das übergriffige und menschenverachtende Verhalten der reichen Eltern aufgeregt habe und ich davon Magenschmerzen bekommen habe. Ob es wohl auch gute Serien gibt, die in (Klein-)Familien spielen? Gute Sitcoms sind ja ohnehin sehr selten, aber es gibt doch auffallend viele Serien, die mit den Geschlechterklischees (oder Realitäten?) in heterosexuellen Beziehungen und Familien spielen, dabei aber so Platt sind, dass zumindest ich mir das nicht lange ansehen kann.

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Veröffentlicht24. Juni 2014 von S Achilles in Kategorie "about a show

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