Oktober 14

Shamy on you (The Big Bang Theory)

Der Niedergang einer Beziehung.

Vor 3 Jahren hatte ich schon mal über die Serie „The Big Bang Theory“ geschrieben [hier]. Damals war ich hin- und hergerissen, wie schlimm ich die Serie wirklich finden sollte. Argumente für die Serie: unterhaltsame Nerd-und Popkultur-Themen, inzwischen auch mehr als nur eine Frau* in Hauptrollen, die Entwicklung von Penny hin zur selbstbewussten, schlagfertigen Nachbarin der Nerd-WGs. Contra: Sexistische Witze, platte homoerotische Anspielungen zwischen Amy und Penny, nerviges Lustigmachen über Rajesh’s „Femininität“, etc.

Gerade die Contras von damals sind in der Zwischenzeit nur noch schlimmer geworden, und zu den Pro-Argumenten sind leider keine neuen hinzugekommen. Inzwischen sind auch noch alle Hauptcharaktere in langweiligen, romantischen Beziehungen miteinander verbandelt, und auch die ehemals coole asexuelle und aromantische Beziehung zwischen Sheldon und Amy („Shamy“) hat so gar nichts mehr von ihrem damaligen Charme. Stattdessen hat Amy längst ihr sexuelles Begehren entdeckt und bedrängt Sheldon damit, der sich langsam, aber immer mehr zu körperlichen Zuneigungen Amy gegenüber bekennt. Allerdings wachsen seine sexistischen Aussagen und paternalistischen Ansichten zeitgleich mit dem Grad an zugestandener Körperlichkeit. Die Beziehung der beiden besteht also hauptsächlich aus einer traurigen Amy, deren Wünsche nach einer sexuellen Beziehung mit Sheldon nicht in Erfüllung gehen, sowie einem sexistischen und egozentrischen Sheldon mit schlimmen Witzen. Es ist wirklich schmerzhaft, mitanzusehen. Vor allem hat es mich einfach geärgert: Amy und Sheldon waren so ein cooles, asexuelles Pärchen, wie ich es noch nie zuvor im TV gesehen hatte. Okay, sie waren vor allem zu Beginn ihres Aufeinandertreffens durchaus übertrieben steril in ihrer sachlichen Wissenschaftlichkeit. Aber ich fand den Mangel an zwischenmenschlichem Drama eigentlich sehr angenehm.

Umso erfreuter war ich, als Amy sich Ende der 8. Staffel von Sheldon trennte. Nicht dass ich an eine Sitcom so hohe Erwartungen an Realitätsnähe habe, aber die Beziehung der beiden war nicht mal auf Comedy-Ebene nachvollziehbar. Absurderweise zog Sheldon nach der Trennung dann einen Ring aus der Schreibtischschublade mit dem Hinweis, dass er Amy einen Heiratsantrag machen wollte. Es war mehr als strange.  Das gucken der aktuell anlaufenden Staffel 9 hatte ich nun einige Wochen vor mich hergeschoben, aus Angst, dass die Trennung der beiden direkt wieder aufgehoben würde. Doch zum Glück war das (noch) nicht der Fall. Die Trennung besteht nach wie vor, doch ist leider auch Sheldon übergriffig wie zuvor, er stalkt Amy, berücksichtigt in keinster Weise ihren Wunsch nach Abstand, und er postet ein „Fun with Flag“-Video, in dem er sich metaphorisch über Amy auslässt, sie diffarmiert und herabwürdigt.

9x01_1Sheldon verfolgt Amy nach ihrer Trennung (Folge 9×01) © CBS

Es ist so schade, dass die Serie so schlecht geworden ist – nicht, dass sie jemals wirklich brilliant gewesen wäre. In meiner Hoffnung nutzt Amy nun die Trennung als Chance dazu, neue Menschen kennenzulernen, statt dass sich ihr Leben weiterhin um Sheldon dreht, der sie ohnehin nicht zu schätzen weiß. Oder sie realisiert, dass sie keine andere Menschen auf sexueller Ebene braucht und/oder findet zurück zu ihrem aromantischen Selbst ihrer Anfänge in der Serie. Aber vermutlich wird all das nicht eintreffen, sondern sie und Sheldon kommen wieder zusammen und heiraten als ein weiteres der vier Hauptpärchen der Serie.

Wäre ich keine Fernsehwissenschaftler_in, wüsste ich nicht, ob ich die Serie noch weitergucken würde. Naja, vielleicht doch, als Inspirationshilfe für witzige, nerdige T-Shirts.

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Dezember 8

They prefer the term „people“ (The Fosters)

The Fosters

© abc family

The Fosters   ist 2013 auf dem Fernsehsender „abc family“ gestartet und läuft inzwischen in der 2. Staffel. Die Serie, die u. a. von Jennifer Lopez produziert wird, spielt in San Diego – bzw. in einem dortigen Vorort – und handelt von dem lesbischen Paar Stef and Lena, die gemeinsam 5 Kinder versorgen. Eines der Kinder, Brandon, ist der biologische Sohn von Stef und ihrem Ex-Mann Mike. Mariana und Jesus sind Zwillinge, die im Alter von 11 Jahren von Lena und Stef adoptiert wurden, weil deren drogensüchtige Mutter die beiden zurückgelassen hat. Callie und ihr Bruder Jude werden zu Beginn der 1. Staffel in der Familie aufgenommen. Stef und Mike sind Police Officers und arbeiten gemeinsam bei der Polizei. Lena arbeitet als Konrektorin einer Privatschule, die auch ihre Kinder besuchen. Das Foster-System (Pflege-/Adoptionssystem) der USA wird oft kritisiert und dessen bürokratische Wege als beschwerlich und überflüssig dargestellt.

The Fosters

Die Fosters v. l. n. r.: Brandon, Mariana, Stef, Lena, Callie, Jude, Jesus | © abc family

Callie wird in der ersten Folge der Serie von Stef und Lena aufgenommen. Als sie merkt, dass sie offenbar ein lesbisches Paar vor sich hat, fragt sie die beiden irritiert, ob sie „Dykes“ (dt: Lesben) seien. Es folgt betretenes Schweigen. „Dykes“ ist offenbar nicht der Lieblingsbegriff des Paares. Ihr Sohn Jesus erwidert: „They prefer the term ‚people‘. But yeah, they’re gay.“ (dt: „Sie bevorzugen die Bezeichnung ‚Menschen‘. Aber ja, sie sind homosexuell.“) Callie versucht, die weiteren Familienverhältnisse herauszufinden und fragt, ob Brandon „the real son“ (dt: „der echte Sohn“) sei. Wieder betretenes Schweigen. Eine moderne Familie also, vor allem aber eine unbedingt normale Familie. Alle Kinder sind gleichermaßen wertvoll, egal, ob sie biologisch miteinander verwandt sind oder nicht. Aber offenbar am wichtigsten: Die Eltern sind keine Lesben, sondern Menschen. Entsprechend äußert sich Lena im späteren Verlauf der Serie gegen Quotenregelungen: Mariana fragt Lena, ob es nicht gerechter wäre, wenn sie in ihre Tanzgruppe an der Schule den offenen Platz mit einer Person of Color besetzen statt mit einer Weißen. Für Lena wäre dies aber eine ungerechte Entscheidung, da Gleichberechtigung allein durch das Vorhandensein diverser und unterschiedlicher Menschen und Lebensentwürfe entstehe und nicht durch Bevorzugung von diskriminierten Schüler_innen.

Rassismus und kulturelles Erbe

Tatsächlich wird Rassismus in der Serie aber oft spannend thematisiert. Mariana lernt in der zweiten Staffel Mat Tan kennen, der sie zu einem mexikanischen Straßenfest mitnimmt. Dort sieht Mariana zufällig ihre Geburtsmutter Ana, flieht vor ihr und beginnt einen Streit mit Mat Tan darüber, wieso er sie überhaupt hierhin mitgenommen habe. Sie erklärt ihm, dass Ana ihre einzige Verbindung zur mexikanischen Kultur sei und dass sie deswegen eine Abneigung dagegen aufgebaut habe. Bereits in vorigen Episoden wurde thematisiert, dass Mariana ihre Haare blond färbt, um vermutlich besser in ihren Freundeskreis zu passen, was nicht ausschließlich positiv von ihrem Umfeld aufgenommen wird. Die Themen kulturelles Erbe und Rassismus werden in der Serie immer wieder aufgegriffen.

The Fosters

Mariana (li) beim Tanzen | © abc family

Als Lena schwanger werden möchte, wünscht sie sich eine Person of Color als Samenspender und thematisiert dies mit Stef, die ihr darin nach einem kurzen Moment der Irritation zustimmt. (Diese Szene erinnerte mich übrigens sehr an The L Word, als Bette und Tina genau diese Diskussion auch hatten, allerdings in größerem Ausmaß.) Beziehungen, in denen eine Person Weiß ist und eine Person of Color, werden bei lesbischen Paaren in US-amerikanischen Fernsehserien meiner Einschätzung nach häufiger dargestellt als bei schwulen Paaren (z. B. die Lesbenpaare in in Glee, Grey’s Anatomy und Pretty Little Liars, um nur ein paar Beispiele zu nennen). Ich bin mir noch nicht sicher, warum das so ist. Vielleicht ist das weiße, schwule Power-Couple einfach zu beliebt (z. B. die Schwulenpaare in Desperate Housewives, Glee und Modern Family, um wieder nur einige Beispiele zu nennen).

Gender & LGBT*Q

Als Callie vorübergehend in einer sozialen Einrichtung untergebracht wird, weil ihr biologischer Vater plötzlich ungeklärt ist und sie nicht mehr bei Stef und Lena bleiben darf, lernt sie dort Cole kennen, der transgender ist. Das Wohnheim wird von Rita (gespielt von Rosie O’Donnell) geleitet, die dort ca. 10 Jugendliche betreut. Darunter auch Cole, der seit einer Weile versucht, in ein LGBT*-Wohnheim aufgenommen zu werden und der darunter leidet, dass er kein Testosteron mehr verschrieben bekommt seit er im Foster-System ist. Nachdem Callie erst nicht weiß, was sie von Cole halten soll, akzeptiert sie ihn bald und verteidigt ihn gegen die Anfeindungen von anderen. Leider bleibt Cole eine Nebenfigur.

The Fosters

Das Wohnprojekt von Rita (3. v. l.) mit Cole (2. v. r.) | © abc family

Gender und Performance ist oft ein Thema der Serie. Als Jude mit lackierten Fingernägeln in die Schule geht, wird er dort deshalb von anderen Jungs beschimpft und bedroht. Sein neuer Freund Connor ist erst unsicher, wie er sich dazu positionieren soll, während der Mittagspause sieht man ihn dann aber mit Jude am Tisch sitzen, beide grinsend und beide mit lackierten Fingernägel. Bald darauf verbietet der Vater von Conner ihm den Umgang mit Jude, weil er glaubt, Jude könnte schwul sein und sei somit ein schlechter Einfluss. Anschließend schleicht sich Connor heimlich zu Jude.

The Fosters

Jude (li.) wird wegen seines Nagellacks in der Schule angegriffen, später trägt sein Freund Conner (re.) auch Nagellack | © abc family

 Kinder und Jugendliche Ernstnehmen

 Callie wurde von einem Foster-Bruder ihrer letzten Pflegefamilie vergewaltigt. Sie traut sich erst nicht, ihrer neuen Familie davon zu erzählen, aber als sie es doch tut, reagieren Stef und Lena empathisch und zweifeln keine Sekunde an der Wahrhaftigkeit von Callies Schilderung. Auch sonst gibt es weder Zweifel in ihrem Umfeld noch Victim-Blaming oder anderes diskriminierendes Verhalten Callie gegenüber. Als Jude plötzlich verstummt und aus psychischen Gründen nicht mehr mit seiner Umwelt verbal kommuniziert, wird er nicht pathologisiert oder aufgefordert zu sprechen, sondern er darf sich so viel Zeit nehmen wie er möchte bis er wieder spricht. Stef und Lena sind immer für die Kinder da, wenn sie dies brauchen, geben ihnen aber auch genug Raum und Zeit, sich zu entwickeln und sich selbst zu finden. Die Jugendlichen dürfen sexuelle Beziehungen führen sofern sie safe sind.

 Class?

 Lena und Stef haben gut bezahlte Jobs, haben ein großes Haus mit Garten, teure Autos, ihre Kinder können auf Privatschulen gehen und haben verschiedene Hobbys, spielen Musikinstrumente, machen regelmäßig Sport. Erstaunlich selten wird in der Serie über finanzielles Kapital und Klasse gesprochen. Zwar wird am Rande erwähnt, dass die Foster-Kinder froh sind (bzw. sein sollten), dass sie in diesem schönen Haus mit den liebevollen Müttern wohnen. Ob dies selten ist oder nicht, was dies für die Kinder bedeutet, was für eine Bedeutung soziale Herkunft hat etc. wird aber nicht wirklich thematisiert. Vielleicht wird deshalb bereits im einlullenden Titelsong gesungen: „It’s not where you come from, it’s where you belong.“ Aber den Text könnte mensch möglicherweise auch positiver interpretieren.

 Beziehungsmüde

 So spannend einige Inhalte der Serie sind, so schrecklich finde ich die Beziehung von Stef und Lena. Über die Gründe musste ich eine Weile nachdenken, es war erst ein diffuses Gefühl der Abneigung. Irgendwann wurde mir dann klar: Die Beziehung ist mir zu glatt, zu langweilig, zu angepasst, und auch zu wenig respektvoll. Beide scheinen eine harmonische Beziehung zu führen, sie arbeiten Vollzeit in Berufen, die sie offenbar glücklich machen, betreuen hingebungsvoll aber auch routiniert ihre 5 Kinder, und als sie feststellen, dass sie lange keinen Sex mehr hatten, haben sie einfach doch einmal Sex, und alles ist wieder gut. Die Serie scheint eine Utopie von einer Welt zu zeichnen, in der durch Wohlstand alle Probleme verschwunden sind und Selbstverwirklichung und Glück durch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erlangt wird. Die Beziehung der beiden scheint mir außerdem nicht besonders respektvoll und empathisch. Sie streiten sich oft, ohne die Streits wirklich aufzulösen. Sie fällen eigenmächtige Entscheidungen ohne Absprachen, die das Leben der jeweilig anderen jedoch stark beeinflussen (z. B. die Schwangerschaft von Lena, die sie erst ohne Stefs wissen anstrebt). Sie leben oft aneinander vorbei ohne die Umstände, die dazu führen, zu benennen oder gar aufzubrechen. Der Lebensstil, der sich stark an herkömmlichen kapitalistischen, heterosexuellen Familienstrukturen orientiert, wird weder als solcher thematisiert noch werden Alternativen dazu gezeigt.

The Fosters

Stef (li.) und Lena (re.) während ihrer Hochzeitszeremonie | © abc family

Obwohl ich also einige Handlungsstränge von The Fosters für gut gemacht halte, so anstrengend ist der Kern der Serie, die lesbische, monogame Paarbeziehung der Mütter. Die beiden sind auch ausschließlich Mütter, keine Frauen, keine Freundinnen, keine Liebhaberinnen. Ich kann mich nicht mal erinnern, dass irgendeine Freundschaft der Frauen mit einer dritten oder vierten Person gezeigt wurde. Gegenseitig nennen sich die beiden gegenüber anderen übrigens „Mama“, was ich auf so vielen Ebenen schlimm finde und was mich auch wieder sehr an Bette und Tina aus The L Word erinnert hat – nur, dass es dort innerhalb der Serie kritisiert und von Bette und Tina geändert wurde („Mama T and Mama B do not make mad, passionate love to one another. They make cookies.“). Nicht dass The L Word dagegen so grenzenlos positiv und kritikfrei gewesen wäre, aber The Fosters bleibt beim Thema (Paar-)Beziehungen sogar dahinter zurück. Leider gab es in der Serie (bisher) noch keine „Boring-Intervention“ wie damals bei Bette und Tina. Ich mochte die Szene ja und wünsche sie mir für die Fosters:

The Fosters

Shanes, Alices und Danas Boring-Intervention für Bette und Tina in The L Word | © showtime

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Juni 24

Modern Romance (Rita Rocks / Melissa & Joey)

In letzter Zeit war ich mal risikofreudig und habe zwei Serien angeguckt, die ich noch nicht kannte und die ich normalerweise auch nicht unbedingt geguckt hätte. Es sind keine ganz neuen Serien, aber doch ungefähr aus den letzten 5 Jahren.

Rita Rocks

Über die Serie „Rita Rocks“ (lief 2008-2009) hatte ich zuvor gelesen, dass es um eine Frau gehe, die von ihrem Mann und ihren Kindern genervt ist und entscheidet, ihre alte Gitarre rauszukramen, um mit ihrem Nachbarn Owen (Ian Gomez) und der Postbotin Patty (Tisha Campbell-Martin) eine Garagenband zu gründen. Klang also erstmal sehr spannend!

Rita (Nicole Sullivan) wird dabei gezeigt, wie sie den gesamten Haushalt schmeißt, ihre Familie versorgt und ganz nebenbei noch arbeiten geht. Ihr Mann Jay (Richard Ruccolo) bildet sich ein, genau so viel im Haushalt zu erledigen, was allerdings so gar nicht der Fall ist (das wird noch mal in Folge 5 ausführlich diskutiert, zeigt sich aber auch schon von Anfang an). Dafür beschützt er ständig die 16jährige Tochter vor ihrem Boyfriend. Das ist sicherlich auch ziemlich paternalistisch, äh, ich meine zeitaufwändig. In einer Szene am Anfang erzählt Rita Jay begeistert davon, dass sie mal in einer Bangles-Coverband gespielt und gesungen habe und dass sie die Musik und den Spaß dabei vermisse. Daraufhin lacht er sie aus und betont, dass doch wohl Otis Redding der größte Gott der Musikwelt sei.

rita rocks

© Lifetime

Direkt in der ersten Folge will Rita ihre Band gleich wieder hinschmeißen, weil Jay es nicht schafft, für 2 Stunden mal „ihre“ Repro-Arbeiten zu übernehmen. Die weiteren Folgen schockieren mit ähnlichen Dramen, die im Prinzip alle darin wurzeln, dass Jay Ritas Wunsch nach der wöchentlichen Bandprobe nicht ernst nimmt und sich ständig in eine absurde Opferrolle flüchtet, woraufhin sich Rita bei ihm entschuldigt und er sich bei ihr. Beim nächsten Mal geht dann alles wieder von vorn los.

Ritas Bandkollegin Patty ist auch nicht hilfreich, da sie Rita immer wieder ermahnt, auch mal Jays Perspektive zu verstehen und ihr zu verstehen gibt, dass sie froh sein soll, überhaupt einen Mann zu haben, dem sie nicht egal sei. Eifersucht und andere Psychodramen versteht Patty als Aufmerksamkeit und Liebesbeweis. Die erste Folge endet damit, dass Rita mit ihrer Band ein Lied von Otis Redding spielt und sie beim Singen traurig und sehnsuchtsvoll in Richtung Haus und Familie schaut. Das versöhnt dann auch ihren Ehemann, der verspricht, die Zeit für Ritas Bandprobe freizuschaufeln. Aber er betont im nächsten Satz gleich, dass es sich hoffentlich wirklich nur um ein paar Stunden handle. Aus sicherlich nachvollziehbaren Gründen musste ich nach der 5. Folge dringend aufhören, weiter zugucken. Es gibt aber auch ohnehin nur 2 Staffeln.

Melissa & Joey

Das schockierendste an „Melissa & Joey“ ist vermutlich, dass die Serie bereits seit 2010 läuft und immer noch nicht abgesetzt wurde. Melissa (Melissa Joan Hart – die damals „Sabrina, The Teenage Witch“ gespielt hat) und Joey (Joseph Lawrence – der damals den einen Bruder bei „Blossom“ gespielt hat) sind in den Hauptrollen. Melissa, bzw. Mel ist eine erfolgreiche und wohlhabende Lokalpolitikerin, die plötzlich die Teenage-Kinder ihrer Schwester aufnimmt, Lennox (Taylor Spreitler) und Ryder (Nick Robinson). Abgesehen davon ist die Serie im Prinzip ausgebaut wie „Who’s the Boss?“ mit Tony Danza, Judith Light und Alyssa Milano, die 1984 gestartet ist und acht Jahre lang lief. Lustigerweise hatte sogar Katherine Helmond einen kleinen Gastauftritt, die bei „Who’s the Boss?“ Angelas Mutter Mona gespielt hat.

melissa & joey

© ABC Family

Joey ist ein erfolgreicher Geschäftsmann, der plötzlich all seinen Besitz verliert und auf Umwegen bei Mel einzieht, um dort als Nanny, also Kinderbetreuung, zu arbeiten. Mel hat für Kochen, Putzen, Aufräumen und Kinder versorgen weder Zeit noch Lust und geht ganz in ihrem Beruf auf. Einen großen Unterschied gibt es aber doch zum damaligen „Who’s the Boss?“: Tony war sein Beruf nie peinlich. Joey hingegen wird immer ganz kleinlaut, wenn er zugeben muss, dass er als „Nanny“ arbeitet und betont als running gag, dass Mel nicht wirklich seine Chefin sei, da er freiberuflich arbeite. Entsprechend wichtig ist ihm auch, dass er seine Männlichkeit beweisen kann, leidenschaftlich Gewichte stemmt und einen Porsche fährt. Und wie zu erwarten schwebt die ganze Zeit in der Luft, ob Mel und Joey wohl mal eine romantische Beziehung beginnen. Ich hab nur die 1. Staffel gesehen, vermutlich hat sich das inzwischen auch schon ergeben.

Außerdem…

habe ich die erste Folge von „Switched at Birth“ (2011-heute) angesehen, musste aber nach der Hälfte abbrechen, weil ich mich so über das übergriffige und menschenverachtende Verhalten der reichen Eltern aufgeregt habe und ich davon Magenschmerzen bekommen habe. Ob es wohl auch gute Serien gibt, die in (Klein-)Familien spielen? Gute Sitcoms sind ja ohnehin sehr selten, aber es gibt doch auffallend viele Serien, die mit den Geschlechterklischees (oder Realitäten?) in heterosexuellen Beziehungen und Familien spielen, dabei aber so Platt sind, dass zumindest ich mir das nicht lange ansehen kann.

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März 2

What the hell happened? Pretty Little Liars Bullshit Bingo

Die Serie Pretty Little Liars ist eine ganz schwierige und zweischneidige Angelegenheit. Einerseits ist es eine typische Teenie-Serie mit hübschen (was die Norm dafür hält) Mädchen, inklusive Teenie-Dramen, Teenie-Boyfriends, Teenie-Diskussionen (puh) und High-School-Schauplätzen. Andererseits ist die Serie aber auch spannend, denn die romantischen Beziehungen und Affären der Mädchen bzw. jungen Frauen stehen kaum im Mittelpunkt. Auch wenn es immer wieder dramatisch ist, wenn sich eine der Hauptdarstellerinnen beziehungsmäßig trennt, nimmt das nie extrem viel Raum ein. Dann darf zwar, wie neulich (Folge 04×20) Aria nach einem Beziehungsdrama auch mal traurig auf dem Bett liegen während im Hintergrund Lily Lane „Nothin‘ But Trouble“ singt, aber dann war’s das auch schon wieder. Das Hauptthema der Serie ist ohnehin die fünfte Freundin Alison und ihr (angeblicher) Tod und die Suche danach, wer sie wohl umgebracht hat.

Auch wenn es also vor allem um die Freundschaft zwischen Aria, Emily, Hanna und Spencer geht sowie um ihre detektivische Arbeit in Bezug auf Alisons Verschwinden, ist ihre Freundschaft durch unterschiedliche Verwirrungen & Verstrickungen auch immer wieder bedroht. Entweder stehen Geheimnisse zwischen ihnen, oder Außenstehende versuchen, zu intrigieren, um Dinge zu erreichen, die für den_die Zuschauer_in erstmal nicht zu durchschauen sind. Das Schöne wiederum ist, dass die Vier aber immer wieder zueinander finden, Missverständnisse klären und sich für unsolidarisches Verhalten untereinander entschuldigen. Das lässt wohl auch so einiges normative Gerede vergessen: Lookism und besonders Fatphobia muss mensch in der Serie leider nicht lange suchen.

Anstrengend ist auch, das einige Handlungsstränge so vorhersehbar sind. Etwa wenn ein wichtiges Tagebuch einfach so auf dem Tisch in einer Waldhütte liegen gelassen wird und es in der nächsten Szene plötzlich verschwunden ist (na sowas!). Auch die oft sehr dramatischen Dialoge, die immer wieder ähnliche Phrasen verwenden, bringen mich manchmal an die Grenzen meiner Geduld. Zum Beispiel, wenn zum X-ten Mal darüber spekuliert wird, wer A (nicht) ist oder wenn mal wieder eine Verfolgungsjagd im Wald ansteht, plötzlich irgendwas raschelt und alle hochschrecken. Genau für solche Fälle habe ich ein PLL-Bullshit-Bingo entwickelt. Jede Folge der Serie bringt garantiert vier Treffer. Mindestens.

Pretty Little Liars Bullshit Bingo

Beschreibung des Fotos: „Pretty Little Liars Bullshit Bingo“: „What the hell happened?“ / „We have to go to the police!“ / „We can’t go to the police!“ / [some creepy noise] „Did you hear that??“ / „A was here!“ / „I don’t want to talk about it.“ / „Guys… [xxx] is gone!“ (like a book or a letter) / „Why didn’t you tell us??!“ / „I don’t think we should tell her before we are 100 % sure.“ / „I’m just trying to protect [xxx].“ (like a person or „my family“) / „I think [xxx] is A.“ / „I (don’t) think [xxx] is A.“ / „The door is locked!“ / „This doesn’t make sense!“ / „Telling them will only make it worse! / [desperate] „It’s been a long night, let’s go home.“

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Januar 21

ah, noch ein schwuler

vor 20 Jahren hab ich mich noch über jede einzelne lesbische figur im fernsehen gefreut. naja, es gab ja auch kaum welche, und wenn, dann musste man sie meist erst mal mühsam entschlüsseln. ich hab mich damals sogar über seltsame figuren gefreut. nancy aus „roseanne“ zum beispiel fand ich total schräg, ich konnte mich überhaupt nicht mit ihr identifizieren. leon (auch aus „roseanne“) war der einzige schwule, den ich damals aus fernsehserien kannte, und den mochte ich auch nicht besonders. natürlich muss ich zugeben, dass darlene sowieso alle anderen in der serie überstrahlt hat. sie war zu meinem großen bedauern nicht lesbisch – auch wenn sich die schauspielerin, die darlene spielte (sara gilbert), jahre später als lesbisch herausstellte.

roseanne: darlene, nancy, leon © ABC

inzwischen bin ich offenbar anspruchsvoller geworden oder das thema ist heute einfach „normaler“. es gab in den letzten 20 Jahren so viele lesbische und schwule charaktere im fernsehen, dass mich die bloße existenz einer lesbe nicht mehr per se umhaut. natürlich* gibt es mehr schwule als lesben im fernsehen, ganz wenig bi- oder pansexuelle und noch viel weniger transidente oder intersexuelle menschen. wenn ich allein alle LGBTI-charaktere der letzten 20 jahre zusammenzähle, die prägnante rollen in US-amerikanischen fernsehserien hatten, komme ich auf ungefähr 100 – und da habe ich „the L word“ und „queer as folk“ noch nicht mal mitgezählt.

als „emily owens m.d.“ neulich schon in der 1. staffel abgesetzt wurde, habe ich nicht mal mit der wimper gezuckt. emily’s beste freundin, die lesbische ärztin tyra, arbeitet im krankenhaus ihres vaters und hatte nach ein paar folgen bei ihm endlich ihr coming-out. er hat entspannt reagiert, und niemand hat verstanden, was die aufregung soll. tyras coming out war einfach keine puppy-episode**.

emily owens m.d.

© The CW

„anger management“, die neue serie mit charlie sheen, ist ein gutes beispiel dafür, wie gern schwule auch heute noch stereotyp dargestellt werden. ist doch immer noch für ein paar lacher gut. offenbar. außerdem gehört es ja schon lange zum guten ton, einen überdrehten, fröhlichen schwulen als wiederkehrende figur in so ziemlich jeder fernsehserien zu haben. wie mr. wolfe aus „suburgatory“ zum beispiel oder auch louis aus „partners“, lee aus „desperate housewives“, bryan aus „the new normal“, irgendwie auch cameron aus „modern family“ (obwohl ich die serie eigentlich mag).

modern family: cameron mit lily

© ABC

es gibt wenig subversive LGBTI-figuren in fernsehserien. neulich fiel mir in einem dramatischen moment auf, dass „the L word“ (lief bis vor 4 jahren) und „queer as folk“ (lief bis vor 8 jahren) bis heute immer noch mit abstand die serien mit den diversesten lebensentwürfen sind. bei aller kritik, die man (vor allem an „the L word“) haben kann: dort wurde wenigstens noch die RZB*** als ideale partnerschaftsform hinterfragt, allgemeine lebensentwürfe, karrierismus, rassismus, patriotismus, ableismus, identitätspolitik, aber auch alltägliche dinge wie das untergehen in der beziehung/familie thematisiert. was kam in den fernsehserien danach? lediglich beziehungswahn und der dauerbrenner adoption.

die zeiten, als ich mich noch über jede lesbe und jeden schwulen im fernsehen gefreut habe, sind wirklich vorbei. und dass aus „ellen“, „the L word“ und „queer as folk“ offenbar nur das thema familienplanung aufgegriffen wurde, mag nicht verwundern, aber schade ist es.

* nicht im sinne einer naturhaftigkeit, sondern entsprechend der gesellschaftlichen verhältnisse, wer ist präsent, wer weniger. alles kein zufall.
** http://www.emmytvlegends.org/blog/?p=5903
*** romantische zweierbeziehung

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