Oktober 18

try this at home?!

[ trigger-warnung, häusliche gewalt ]

erstaunlich wenig kritische reaktionen hat das neue video „try“ [1] von p!nk hervorgerufen. ganz im gegenteil überschlagen sich nur so die begeisterten kritiken. es ist die rede von einem „emotionsgeladenen song“, p!nks „akrobatischem hin und her mit einem unbekannten schönen“ und von „ihrem kaum verhüllten körper“. gelobt wird ihre beeindruckende „körperbeherrschung“, ihr fitnesskörper, dass sie „bunt, sexy und stark“ wirke, „sexy und akrobatisch“. sowieso scheinen sex bzw sexy die am häufigsten gebrauchten worte in den texten zu sein. es ist von einem „sexy kampf“ die rede, bei dem „pink ihren videopartner erotisch-dynamisch nach oben stemmt“. spätestens beschreibungen wie „eine mischung aus gewalt, sex und kampf“ sollten nachdenklich stimmen.

p!nk twitterte dazu neulich: „making this video was the most fun I’ve ever had in my entire career. I never wanted it to end. it’s my favorite video ever.” und auch in englischsprachigen reaktionen findet sich offenbar keinerlei kritischer blick. das video zeige „just how physically strong, and acrobatic she truly is.“ „epic!“ „the physical expression of battle between men and women“ wird erkannt, p!nk als „powerful, artistic and straight passionate“ beschrieben. immerhin fällt der begriff „sexualized violence“, jedoch auch ganz ohne problematisierung. ein_e redakteur_in vermutet gar: „p!nk gives insight to what her sex life with husband carey looks like!“ wenn das tatsächlich wahr ist, sollten wir an dieser stelle dringend soziale beratungsstellen, behörden, selbsthilfegruppen oder diverse aufklärungsbücher hinzuziehen.

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© Alecia Beth Moore (Pink)

der tanz, den die beiden im video aufführen, nennt sich „apache dance“. basierend auf pariser straßengangs sollte er anfang des 20. jahrhunderts ursprünglich eine auseinandersetzung zwischen zuhälter und prostituierter darstellen, beinhaltet mehr oder weniger harte (imitierte) schläge, der tänzer wirft die tänzerin auf den boden oder hebt sie hoch in die luft [2]. oder wie es auf einer website zum thema ausgedrückt wurde „that’s the dance where the sleazy boyfriend beats up his prostitute girlfriend because she won’t share her money with him.“ [3]

p!nks video hat mich gleich auf mehreren ebenen erschüttert. mal ganz abgesehen davon, dass ich p!nk immer ganz gern mochte. richtig gut fand ich zB „sober“ [4] und „stupid girls“ [5], auch was die texte angeht. von der scharfsinnigkeit und selbstironie von früher ist in „try“ nichts mehr zu erkennen. so beginnt der text:

ever wonder about what he’s doing? / how it all turned to lies / sometimes I think that it’s better to never ask why / where there is desire, there is gonna be a flame / where there is a flame, someone’s bound to get burned / but just because it burns, doesn’t mean you’re gonna die / you’ve gotta get up and try try try…

allein wenn ich so sätze höre wie „sometimes I think that it’s better to never ask why“, bekomme ich eine gänsehaut. lieber nicht hinterfragen, was wahr und was gelogen ist, und lieber nicht überlegen, was eigentlich mit der beziehung zu der anderen person nicht stimmt. und: wo begehren oder sehnsucht ist, da ist nun mal auch feuer. und die flamme kann schon mal die eine oder den anderen verbrennen. aber (ver)brennen heißt nicht gleich sterben. du musst aufstehen und es noch mal versuchen, versuchen, versuchen. aha. den schmerz aushalten, trotzdem noch mal vom boden aufrappeln, aufstehen und bloß nicht aufgeben. wenn das nicht antiaufklärerisch und ein aufruf zum bleiben in ungesunden strukturen ist, dann weiß ich es auch nicht.

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© Alecia Beth Moore (Pink)

an dieser stelle kommt dann gern der hinweis auf den „apache dance“, schließlich sei dies ein alteingesessener tanz, sozusagen ein „kulturgut“, das nunmal so sei wie es ist. aber patriarchale strukturen kann man schließlich ganz allgemein als „kulturgut“ bezeichnen, trotzdem sollte man sie dringend kritisieren. selbst wenn einige artikel über das video weggehen von dem zuhälter und der prostituierten und eher vom „ewigen kampf zwischen mann und frau“ sprechen, macht es das nicht besser, eher noch schlimmer. es bekommt dadurch eine noch stärkere biologistische note, die historisch-kulturelle unterteilung der menschen in männer und frauen bekommt einen naturalistischen deckel verpasst. leidenschaft wird mit aggression gleichgesetzt, gewalt durch (hormongesteuerte?) emotionen erklärt und entschuldigt.

ob das video jetzt wirklich auf körperliche gewalt abzielt oder diese nur als symbol für emotionale kämpfe in beziehungen benutzt, halte ich für irrelevant. jegliche gewalt, die so strukturiert ist wie es das video und der dazugehörige text darstellen, sollten dringender anlass sein, nichts mehr immer wieder und ewig noch mal zu versuchen, sondern die beine in die hand zu nehmen (die eigenen, nicht die der/des tanzpartner_ins) und sich in die andere richtung wegzubewegen.

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© Alecia Beth Moore (Pink)

nicht zuletzt ist es extrem problematisch, dass das video (häusliche) gewalt als etwas sinnliches, erotisches darstellt. oder wie neulich jemand bei einem sozialen netzwerk das video kurz und knapp zusammenfasst: „domestic violence kann man auch tanzend praktizieren.“ the truth about love (so der titel von p!nks album) sieht hoffentlich für die meisten menschen anders aus.

eine feministische web-kollegin von mir hat ein lied geschrieben, das von ihrem sozialen & medialen umfeld und allen inspiriert wurde, die täglich zeug_in von dv sind und diese nicht erkennen und auch nicht handeln. freundlicherweise darf ich ihren ersten entwurf in meinen text einbinden:

you let happen what is happening (oh) / behind closed doors / you’re watching DV, you’re watching DV…

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Oktober 8

change of seasons

das schönste am herbst ist (abgesehen vielleicht von buntem laub, feuerzangenbowle, kuscheligen sofadecken und endlosem teetrinken), dass US-serien neu beginnen, bzw. die bereits bekannten in die jeweils neue season starten. ca 15 queere serien „muss“ ich ohnehin für meine diss gucken, aber es gibt auch generell ein paar nette serien, auf die ich mich freue.

tv shows

© Syfy, NBC, Fox, The CW, ABC, Fox

fringe startet in die 5. und letzte staffel. die serie lebt vor allem über die figur walter (john noble), der wirklich großartig gespielt wird. natürlich mag ich auch die storyline, die oft an die X files erinnert, aber was die schauspieler_innen angeht, kann walter so schnell keine/r das wasser reichen. olivia (anna torv) finde ich zwar durchaus cool & tough, aber ihre charakterdarstellung ist nicht grad das erste, was mir in den sinn kommt, wenn ich an sie denke. und bei peter (joshua jackson) sehe ich einfach nur pacey aus dawsons creek, ich kann mir nicht helfen. das finale der letzten fringe-staffel war allerdings richtig krass. als walter am ende olivia in den kopf geschossen hat war ich ernsthaft schockiert. fast so sehr wie von ihrer anschließend verkündeten schwangerschaft.

haven ist super spannend. der sender hat angekündigt, in der jetzt beginnenden 3. staffel endlich mal antworten um die troubles und die hauptdarstellerin parker aka audrey (emily rose) zu geben. in deutschland lief glaube ich nur eine staffel der serie und auch nur spät abends. unfassbar.

once upon a time ist in die zweite staffel gestartet. die erste folge vor ein paar tagen hat natürlich gleich schön das vorübergehende beinahe-happy-end der letzten staffel zerstört und drama verbreitet. ganz große hoffnungen setze ich auf snow aka mary margaret (ginnifer goodwin), jetzt, da der fluch gebrochen ist und sie wieder die viel toughere snow ist – so zumindest meine theorie. emma (jennifer morrison) fand ich zu beginn der ersten staffel spannend, dann hat sie ziemlich nachgelassen. aber nun kann sie schließlich gar nicht anders, als an den zauber zu glauben, von daher gebe ich die hoffnung noch nicht auf. regina (lana parrilla) ist ungebrochen großartig, machtvoll furchteinflößend als the evil queen. von belle (emilie de ravin) möchte ich gern noch mehr sehen und glaube, der wunsch könnte mir tatsächlich erfüllt werden.

the vampire diaries, meine lieblings-teenie-serie zur zeit, neben glee. im finale der letzten staffel wurde elena (nina dobrev) tatsächlich in eine vampirin verwandelt, unglaublich. und ich kann mir nicht helfen, ich mag nina dobrev einfach gern. wenn man den twilight-vergleich ziehen möchte, wäre sie das gegenbeispiel zu bella (kristen stewart). elena ist selbständig, mutig, witzig, reflektiert und lässt sich – auch von ihrem vampire-boyfriend – nicht vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen hat. ich bin gespannt, wie sich ihre rolle als vampirin entwickeln wird.

new girl ist einfach witzig. mich nervt zwar der hype um die hauptdarstellerin zooey deschanel ein wenig und das smurfette-principle ist auch nicht grad kreativ. aber die serie ist eine nette abwechslung, um sie mal eben nebenbei zu gucken. und: die witze nerven nicht (wie es zB bei 2 broke girls extrem der fall ist).

happy endings ist fast die einzige serie mit queeren hauptdarsteller_innen, auf die ich mich richtig freue. sie gehört auch zu den sitcoms, die man mal zwischendurch gucken kann ohne viel dabei nachzudenken. dafür ist sie aber richtig witzig, und hat es sogar schon geschafft, megan mullally (karen aus will & grace) auftreten und singen zu lassen!

glee! nach einer ziemlich schwachen dritten staffel hat mich glee neulich doch tatsächlich umgehauen. die breakup-folge war richtig dramatisch und hat mich tagelang gedanklich verfolgt, und ich weiß noch nicht wie ich das alles finden soll. ich hoffe, santana wird trotzdem auch weiterhin mitspielen, obwohl es eher nicht danach aussieht. sehr „hübsch“ gegendered waren die 4 break-ups auch: die schwulen trennen sich, weil blaine was mit einem anderen typen hatte (körperlich, sex). die lesben trennen sich, weil santana einen attraction-blick („energy exchange“, wtf?) hatte, zumindest war das der anlass (emotional, quasi gedanklich betrogen). und die beiden hetero-pärchen trennen sich vor allem, weil sie unterschiedliche lebensentwürfe haben (so richtig erwachsen mit blick in die zukunft). unabhängig davon nerven mich die beiden hetero-pärchen sowieso schon seit jahren, aber die werden bestimmt nicht aus der serie herausgeschrieben. ein elend.

die ganz neu beginnenden serien bleibt abzuwarten, revolution scheint ganz nett zu sein, aber da gabs schon in der 1. folge eine doofe pärchen-storyline, die mich gleich schon genervt hat. ich habe nicht generell was gegen hetero-pärchen, aber sie werden einfach so oft so schrecklich unkreativ dargestellt, und plötzlich dreht sich alles nur noch um die beziehung. anstrengend (in bezug auf revolution ist das bisher aber nur eine befürchtung). the new normal ist ganz nett, aber wieso ist das schwulenpärchen, david (justin bartha) und bryan (andrew rannells), schon wieder so stereotyp? gegen cameron (eric stonestreet) und mitchell (jesse tyler ferguson) aus modern family verlieren die beiden bisher total. partners ist noch eine neue serie mit schwulem hauptcharakter. obwohl ich michael urie in ugly betty total mochte, überzeugt er mich in partners bisher noch nicht. go on ist bisher die einzig neue serie, von der ich soweit ganz angetan bin. natürlich hatte ich auch echt niedrige erwartungen an die neue serie mit matthew perry. aber nicht nur die lesbische anwältin anne (julie white) wirkt spannend, die serie scheint auch sonst ganz witzig und intelligent gemacht zu sein.

es gibt natürlich noch einige andere serien, die ich vermutlich weiterhin gern gucken werde. aber sie sind ein wenig ins abseits geraten. revenge bleibt spannend, aber die storyline zwischen emily (emily vanCamp) & jack (nick wechsler) nervt mich inzwischen doch sehr. pluspunkt: noland (gabriel mann), einer der wenigen bi-/pansexuellen charaktere, die es im fernsehen überhaupt gibt und der übrigens sehr schön gespielt wird. bei supernatural bin ich noch unschlüssig. eigentlich bin ich eher skeptisch, wenn serien künstlich so sehr hinausgezögert werden. modern family macht auch spaß, ich fürchte aber, so langsam kommt die storyline nicht mehr so recht vorwärts.

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