queer_sehen

everyone has a little dirty laundry

es war die beste aller serien, es war die schlimmste aller serien. ja, es gibt mit sicherheit bessere serien, aber auch weitaus schrecklichere als desperate housewives. nach 8 langen jahren lief in den usa jetzt die allerletzte folge.

die erste queere rolle war zu beginn andrew (shawn pyfrom), der teenage-sohn von bree van de kamp, dessen schwules coming out seit der ersten staffel thema war. teilweise sehr amüsant, wurde die darstellung des charakters aber auch kontrovers und oft als moralisch verwerflich diskutiert: andrews ständigen verbalen attacken bis zu komplexe intrigen vor allem gegenüber seiner mutter, bereits als jugendlicher besuche in strip-clubs, gebrauch von und dealen mit drogen, diverse verbrechen wie diebstahl, erpressung und eine fahrlässig mit dem auto überfahrene nachbarin.

als ihn seine mutter eines tages aussetzt, lebt andrew eine weile obdachlos und hält sich mit diebstahl und prostitution über wasser. nach dem fünfjahressprung zur hälfte der serie haben andrew und bree jedoch ein recht gutes verhältnis zueinander, so dass er als ihr persönlicher assistent arbeitet. seit der 6. staffel taucht andrew nur noch sporadisch auf. hat einen lebensgefährten. zieht mit ihm zusammen. hat ein alkoholproblem. wird von ihm verlassen. verliert seinen job. dazwischen sieht man ihn etliche episoden lang gar nicht. in der letzten staffel taucht er dann plötzlich mit einer frau auf, die er angeblich heiraten möchte. seine mutter durchschaut den plan schnell, und es stellt sich heraus, dass andrew seine verlobte nur aus geldgründen heiraten möchte und keineswegs plötzlich hetero geworden ist. die verlobung wird aufgelöst und bree will andrew helfen, sein leben wieder in den griff zu bekommen. von da an taucht andrew nicht mehr auf.

bob (tuc watkins) und lee (kevin rahm) ziehen zur ablösung in die wisteria lane: das recht klischeehaft schwule paar, das in der 4. staffel der serie auftaucht und bis zum schluss bleibt – wobei „bleiben“ hier eine frage der definition ist, da bob und lee auch mehr durch abwesenheit glänzen und bald zudem nur noch als einzelpersonen auftauchen: bob als anwalt, der seine nachbar_innen der reihe nach bei verschiedenen gerichtsverfahren vertritt. lee als immobilienmakler, der immer dann zu sehen ist, wenn mal wieder jemand wegzieht. oder stirbt. ihre in der 7. staffel adoptierte tochter ist dann auch schnell wieder wie vom erdboden verschluckt. vermutlich ist sie schüchtern. oder schläft viel.

ein noch größeres beispiel für queer absence ist katherine (dana delany), die ebenso in der 4. staffel der serie auftaucht. es folgen dramatische geschichten über ihre biologische tochter dylan (die schon als kleinkind bei einem unfall stirbt) und ihre adoptivtochter, die katherine dann als dylan großzieht, die flucht vor ihrem gewalttätigen ex-ehemann, rivalitäten zwischen ihr und bree und einer dreiecksgeschichte zwischen ihr, mike und susan. am ende der 6. staffel verliebt sich katherine plötzlich in robin (julie benz). als das verhältnis der beiden kurz darauf öffentlich wird, erklärt katherine panisch, dass es ihr zu wichtig ist, was andere menschen über sie denken, als das sie noch länger in der wisteria lane wohnen könnte. robin und sie fliegen deshalb in einen verlängerten urlaub nach paris und kommen von da an nicht mehr in der serie vor. in der allerletzten folge von desperate housewives taucht katherine doch noch mal auf, um lynette einen job anzubieten. katherine berichtet bei der gelegenheit, der urlaub in paris wäre doch nicht so prickelnd wie erhofft gewesen, da ihr dort nach drei monaten klargeworden ist, dass sie doch nicht lesbisch sei sondern männer bevorzuge.

desperate housewives war die beste aller serien – es war mit eine der ersten tv shows, die queere charaktere überhaupt vielfältig und komplex dargestellt haben. es war aber auch die schlimmste serie – die allzu oft auf klischees zurückgefallen ist und sich seit der 5./6. staffel zudem extrem verschlechtert hat, was die darstellung queerer charaktere angeht: sobald schwule männer volljährig sind, nimmt man sie nur noch im berufsleben wahr. und lesben ändern halt gern mal ihre meinung und finden dann doch wieder männer sexy.

3 Kommentare

  1. Jucheh endlich gibt es was, das unsere themen gemeinsam haben: die kriminellen karrieren und der drogen missbrauch, das gibt es sogar bei elfen und ghoulen;)und natürlich die wendung, dass irgendwann doch ne heterosexuelle beziehung in haus steht…

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