Februar 26

big bang queeory

eine meiner lieblingsserien ist die in den USA seit 2007 ausgestrahlte show „the big bang theory“. obwohl ich am anfang eher skeptisch war: die blonde schauspielerin/kellnerin penny (kaley cuoco), die in die wohnung gegenüber von sheldon (jim parsons) und leonard (johnny galecki) einzieht. leonard, der sich sofort in penny verliebt und sie von weitem anschmachtet, wohlwissend, dass er als physik-nerd niemals eine chance bei ihr haben wird. es klang einfach zu platt, zu stereotyp. es würde sicherlich wie immer, er kommt niemals mit ihr zusammen, sie sieht ihn nur als guten freund, er leidet, führt dann beziehungen mit anderen frauen, kann penny aber trotzdem nie vergessen. running gag. anstrengend.

the big bang theory

dann leonards mitbewohner sheldon, hochbegabt mit astronomisch hohem IQ, dem aber jegliche sozialkompetenz fehlt und somit im alltäglichen leben völlig verloren ist. er hat zu allem einen so logischen und emotionsfeindlichen zugang wie spok aus star trek – so ist sheldon tatsächlich ein großer fan von leonard nimoy. die zwei anderen hauptdarsteller, die von anfang an in der serie dabei sind – howard (simon helberg) und rajesh (kunal nayyar) – sind ebenso intelligent, nerdig und unbeholfen wie leonard. ganz ehrlich, eigentlich hab ich die serie nur angefangen zu gucken, weil johnny galecki mitspielt, den ich aus roseanne immer mochte, als er damals den freund von darlene spielte, die ich natürlich immer schon ganz großartig fand.

[ 4 smurfs, 1 smurfette ]

der anfang der ersten staffel troppelten auch entsprechend dahin. leonard versuchte penny zu beeindrucken, die darauf so gar nicht einging. surprise, surprise. der selektive mutismus von rajesh, der in anwesenheit von frauen nicht sprechen kann (außer er trinkt alkohol), nervte mich. und natürlich das smurfette principle, penny als einzige frau mit einer gruppe von männern. zudem ist penny die einzige hauptfigur ohne hohe bildung und in ihrer lohnarbeit als kellnerin im krassen gegensatz zu sheldon, leonard, howard und rajesh, die alle akademische abschlüsse und gut bezahlte jobs haben. die serie handelt nun mal vor allem von den vier physikern – oder wie natalie angier die serie beschrieb: „bubble-headed television show (…), with its four nerdy male physics prodigies and the fetching blond girl next door“.

[ background-check ]

aber die serie entwickelte sich, und auch pennys charakter wandelte sich von der sexy decoration zur eigenständigen figur mit eigener meinung und coolen sprüchen – ihre schlagabtäusche mit sheldon amüsieren mich immer wieder. penny ist tough, definiert sich nicht durch die beziehung zu einem mann, sie ist nicht eingeschüchtert durch die doktorgrade der hauptcharaktere und führt ein unabhängiges leben. auch der background der anderen figuren war interessanter als ich gedacht hatte: sheldon wuchs mit seiner extrem christlichen mutter im konservativen texas auf (ein krasser wiederspruch zu seinen wissenschaftlichen, aufklärerischen ansprüchen). leonards mutter ist psychoanalytikerin und schreibt bestseller über die psychische entwicklung von kindern (aufgrund ihrer fehlenden sozialkompetenz versteht sie sich ausgezeichnet mit sheldon). als howard endlich aufhörte, penny ständig anzugraben, wurde auch er erträglich (trotz der anstrengenden storyline mit seiner mutter, bei der er immer noch wohnt, die man aber niemals zu gesicht bekommt und nur im hintergrund herumschreien hört). rajesh wuchs in indien bei seinen sehr wohlhabenden eltern auf und trinkt in genug folgen alkohol, um nicht ständig nur stumm herumzusitzen sobald eine frau zur tür hineinkommt.

[ the others ]

ganz großes kino sind auch die regelmäßigen auftritte von wil wheaton (als er selbst und) als erzrivale von sheldon. und natürlich die anfänglichen gastauftritte von sara gilbert als leslie winkle! nicht zu vergessen sind auch die schauspielerInnen im „echten“ leben, zB johnny galecki’s statement zur frage, ob er homosexuell sei. ich hab die serie also durchaus liebgewonnen.

amy & penny

neu seit einigen staffeln sind die beiden figuren bernadette (melissa rauch) und amy (mayim bialik, foto links). pro: es geht weg vom smurfette principle, und mit bernadette kommt ein spannender und starker charakter dazu. annalee newitz schrieb generell über die frauen der serie ganz passend: „but the geeky women on this show, from leslie winkle (played by sara gilbert, who should get her own spinoff) to sexy visiting physics superstar dr. plimpton, have made this show into a lot more than ’nerd stereotype jokes can be funny if they are lucky enough to be handled by an amazing writing staff.’“

[ there’s always a but… ]

was mich allerdings in der letzten zeit immer mehr anstrengt, sind die lesbischen anspielungen von amy in bezug auf penny. ich kann gar nicht mehr genau sagen, wann es genau anfing (bzw werde es zu gegebener zeit mal recherchieren), aber es nahm immer mehr zu. am anfang war nur auffällig, dass amy unbedingt penny’s beste freundin („BFF“ bzw „bestie“) werden wollte, doch inzwischen kommt in jeder folge eine lesbisch konnotierte bemerkung vor, immer ausgehend von amy. hier ein paar beispiele:

http://www.youtube.com/watch?v=gq8f2OmOrGU
(amie sagt penny, sie hätte bei ihr mehr chancen als leonard)

http://www.youtube.com/watch?v=Pyah6liUpM8
(amie schenkt penny ein riesen-foto der beiden)

http://www.youtube.com/watch?v=NX3FYucCh20
(amy küsst penny)

http://www.youtube.com/watch?v=To2ypSg5F38
(amie und penny sind brautjungfern für bernadette)

abgesehen von kurzzeitig verwirrten blicken wird das thema amy & penny aber niemals thematisiert. ein sehr krasses beispiel war in der letzten folge (5×18):

http://youtu.be/TKUlW-M_4as
(sheldon überlegt, ob penny seine haare schneiden darf und fragt amy um rat)

amy erwiderte: „there’s not a hair on my body I wouldn’t let this woman trim.“ erneut verwirrte blicke, aber kein kommentar. es ist sehr anstrengend und erinnert mich teilweise an die frühen beispiele von queeren identitäten in tv-serien, als sie erwähnt wurden, aber keine tiefe bekamen und bestenfalls für einen lacher gut waren. zu beginn von „the big bang theory“ gab es ein ähnliches phänomen mit howard und rajesh, bei denen immer wieder angedeutet wurde, sie wären vielleicht schwul. im gegensatz zur penny-amy-storyline wurde hierüber zumindest immerhin gesprochen (zB werden howard und rajesh in einer folge ganz offen von leonards mutter gefragt, ob sie ihre homoerotischen gefühle zueinander inzwischen ausgelebt hätten). spätestens seit howard mit bernadette verlobt ist, ist das allerdings kein thema mehr. amy und penny sind zwar auch beide in festen (heterosexuellen) beziehungen, aber das tut dem ewigen bi-curious-scherz offenbar keinen abbruch.

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